Spielsucht weitet sich aus
Die Grenze zwischen Menschen, die gerne spielen und denen, die spielsüchtig sind, ist fließend. Niemand kann genau sagen, wann die Sucht beginnt, am allerwenigsten die Süchtigen selbst: Sie bemerken oft als letzte, wann selbstbestimmte das Spiel endet und das Suchtverhalten beginnt. Dabei ist Spielsucht eine sehr ernstzunehmende Krankheit. “Glücksspielsucht zählt zu den sozial zerstörerischsten Abhängigkeiten. Sie kann ebenso wie Heroinsucht die Existenz gefährden”, sagt Hans-Jürgen Tecklenburg, Leiter der Ambulanten und Teilstationären Suchthilfe (ATS) in Norderstedt bei Hamburg. Dort alleine hat sich die Zahl der Hilfesuchenden zwischen 2007 und 2008 verdoppelt. Auch die Polizei hat das Problem Spielsucht mittlerweile erkannt: Immer häufiger ist Spielsucht das Tatmotiv bei Raub- und Eigentumsdelikten.
Wie bei jeder Suchtkrankheit, ist auch bei Spielsucht professionelle Hilfe ist die einzige Möglichkeit, damit fertig zu werden. Beratungsangebote gibt es zwar viele, aber noch lange nicht genügend, sagt Tecklenburg. Erschwerend wirkt noch, dass die meisten Spielsüchtigen ihre Krankheit eben gar nicht bemerken, beziehungsweise verleugnen. Die gilt speziell für neuere Erscheinungsformen der Krankheit, wie beispielsweise bei Online- oder PC-Spielen.
Wer Interesse hat, sein Spielverhalten selbst zu untersuchen, kann das bei fast allen Beratungsstellen oder unter spielsucht-forum.de herausfinden. Hier wird ein Selbsttest angeboten, der Hinweise auf eine mögliche Suchterkrankung liefert. Dort finden sich auch Adressen der meisten Beratungsstellen, ob online, telefonisch oder persönlich. Auskunft erteilen natürlich auch Ärzte, die großen Wohlfahrtsorganisationen oder die Kirchen. Und natürlich wird die Anonymität aller Ratsuchenden gewährt.


